10 Stunden hinter mallorquinischen Gardinen

3 Nov

Es ist Mitte Januar und ich sitze stocknüchtern bei der Guardia Civil Llucmajor in der Ausnüchterungszelle. Die Betonpritsche ist saukalt und die Feuchtigkeit kriecht mir durch die Klamotten bis auf die Knochen.

Aber erst mal von Anfang an.
Ich glaube mehrere hundert- oder tausendmal passiert. Ein „guter“ Freund schuldet dir Geld und verschwindet über Nacht von der Insel. Um seine Schulden zu mindern, gab er mir Weiterlesen 

Eine Zeitmaschine auf Mallorca

3 Nov

Und es gibt sie doch, die Zeitmaschine, mit der man ins vorige Jahrhundert reisen kann. Auf Mallorca steht sie, mitten in Palma und gebaut hat sie das deutsche Unternehmen Siemens Anfang des letzten Jahrhunderts. Damals allerdings wusste keiner, dass der hochmoderne Zug mit dem glänzenden deutschen Markenzeichen zu Mallorcas berühmtester Zeitmaschine mutieren würde. Die Mallorquiner waren stolz auf ihre technische Errungenschaft, mit der sie für damalige Verhältnisse schnell und unkompliziert die berühmten süßen Orangen aus dem Sóllertal Weiterlesen 

Greifbare Bedrohung

3 Nov

Die jüngsten – als „Terrortestläufe“ diagnostizierten Bedrohungen islamistischer Herkunft lassen ahnen, wie nah unseren offenen Gesellschaften diejenigen kommen, die bei aller Überwachung deren fragile Systeme empfindlich stören, ja zerstören wollen. Wobei – „zerstören“ nicht die Absicht sein dürfte, die dahinter steckt. Denn wäre das so, könnte man die gut organisierten und funktionierenden Systeme nicht mehr für die eigenen Zielsetzungen einsetzen. Der vermeintliche Glaubens- bzw. Wertekrieg als Auslöser ist mit hoher Wahrscheinlichkeit das Vehikel, auf dem Terror zwar daherkommt Weiterlesen 

Kleider machen Leute

27 Okt

Ich bin zu einer Hochzeit eingeladen und suche in meinem Kleiderschrank
nach meinem Nadelstreifenanzug. Der Arme hängt schon 4 Jahre im Schrank
und ich hoffe nur, dass die Feuchtigkeit und die Motten ihm nichts angetan
haben. Ok alles klar, Hemd und Krawatte haben´s auch überlebt.
Eine mallorquinische Hochzeit habe ich mir anders vorgestellt. Es ist eine
langweilige Gesellschaft und ich beschließe um 24.00 Uhr die traurige Feier zu
verlassen um in meine Stammdisco zu gehen.
Ich gehe zum Tresen der ausschließlich für Stammgäste reserviert ist. Der DJ
begrüßt mich mit: „wie siehst du denn aus, so kenne ich dich gar nicht“?. Na
ja, normalerweise Weiterlesen 

No Friends

20 Okt

Das muss ein trauriges Leben sein, in welchem Sie niemand anchattet, anschreibt und Sie unbedingt als Freund oder zumindest als Kontakt hinzufügen möchte.

Sie haben keine Freunde, wenn Sie nicht auf Facebook, StudiVZ, Xing, smallworld oder wie die neuen sozialen Netzwerke alle heißen, eingelogged und tätig sind.

Wer sind all diese Menschen, die diese Foren nutzen, um sich selbst darzustellen und mit zum Teil privatesten Äußerungen in eine Öffentlichkeit gehen, die für sie im Dunklen wohnt. Denn auch all die anderen Teilnehmer verbergen ihr wahres Ich hinter frisierten Weiterlesen 

Die 1D ist da

20 Okt

Ich betrete das Flugzeug und halte Ausschau nach meinem Platz, an dem ich am Abend vorher eingechecked habe. Auf meiner Bordkarte steht „1D“. Doch der Platz, ja die ganze Reihe ist bereits besetzt. Fragend blicke ich den Flugbegleiter an und halte ihm meine Karte entgegen. Mit leicht entsetzter Stimmer ruft er seiner Kollegin zu „Die 1D“ ist da. Diese, aufgescheucht, „ach, die 1D ist da – sind Sie 1D?“ zu mir gewendet. „Ja“, antworte ich, habe ich mich getäuscht?“ „Nein, nein, wir haben hier nur die Mutter mit dem kleinen Kind hingesetzt wegen des Körbchens, wissen Sie?“ Nun ja, was soll man dazu sagen, da kann man nicht auf dem georderten Platz bestehen, aber wie fühlt man sich, wenn man als 1D bezeichnet wird? Ist das unserer Abkürzungsfanatischen Weiterlesen 

Das Skilehrersyndrom

20 Okt

Skilehrer haben ein sicheres Gespür für die Schwächen ihrer Schüler, insbesondere der weiblichen und der attraktiven Schülerinnen. Nach der ersten gemeinsamen Runde kennen sie nicht nur die skitechnischen Mängel, sondern auch die persönlichen. Sind Sie eine selbstbewusste, attraktive Frau mit Verstand und Bildung, doch reflektiert und darauf bedacht, keine Fehler zu machen, dann ist ihr Schicksal besiegelt.

Ihr Lehrer wird Sie erst ein wenig in Sicherheit wiegen, indem er Sie lobt und Sie einfach fahren lässt. Wenn Sie dann meinen, dass das Sikfahren doch nicht so schwierig ist und Sie selig dahingleiten, greifen seine subversiven Strategien. Jetzt zeigt er Ihnen, was Sie nicht können, in dem er Sie überfordert. Er fährt zu rasant, so dass Sie kaum hinterherkommen und sich Fehler in Ihrem Fahrststil einschleifen. Der erste Sturz Ihrerseits ist vorprogrammiert. Sie fühlen sich plötzlich Weiterlesen 

Besser als Kabarett: die Europäische Union

19 Okt

Griechenland ist klar im Vorteil und Deutschland im Schlamassel. Zahlen die Deutschen nicht, sind sie die Bösen und zahlen sie, sind sie ebenfalls böse. Ohne Geld geht Griechenland unter und kommt das Geld, dann sorgen sich die Griechen, dass Deutschland sie aufkaufen könnte. Oder mehr noch, da meinte ein Grieche im Interview, dass Deutschland nun doch noch Hitlers Vorhaben umsetzen werde – nur statt Waffen halt mit Geld! So stand es tatsächlich in einer spanischen Tageszeitung. Zur Freude der Spanier natürlich, die damit gratis politkräftige Argumente geliefert bekommen. Dabei ist es doch mittlerweile völlig egal, wer von wem Geld bekommt. Das wird bei Bedarf einfach nachgedruckt. Zinsrechnung von wegen Rückzahlung? Auch damit muss sich niemand mehr abmühen, weil eine Rückzahlung sowieso unmöglich ist. Ich frage mich nur, weshalb Otto, der liebe Normalbürger bei diesem Zahlenspiel der Nationen mitmacht. Otto, der liebe normale und Bürger hat wohl noch nicht erkannt, dass er nur mitspielen darf, damit es einen zahlungskräftigen Verlierer gibt. Armer Otto!

Die kleinen in SMS verpackten Sprachfetzen regieren (Annas-)Welt.

19 Okt

So eine Katastrophe, dabei hat die liebe Anna nichts weiter zu tun, als friedlich dahinzuleben, bis ich endlich Zeit finde, sie in meinen nächsten Roman zu bannen und was macht sie? Sie schaut sich eine SMS an und löst mit einem Brotstück Feueralarm aus.
Statt brotlos an café con leche 2 zu schreiben, sollte ich vielleicht auf lukrative Erfindungen umsteigen und den Farbcode für SMS erfinden. Rosa für die Schmetterlingsinhalte, Grün für Unbedenklich, Gelb für „nur in bester Begleitung lesen“ und Rot für „den Absender abwatschen“.
Meine liebe Anna scheint ein wahrer Katastrophenmagnet zu sein. Ziemlich dämlich von ihr, ausgerechnet eine rote SMS in einem rosaangehauchten Moment zu lesen. Klar, mit fatalen Folgen. Und das auch noch am Morgen Weiterlesen 

Comercio justo – faires Geschäftemachen

19 Okt

Der Denkanstoss für den Puddingeffekt des Geldes kam von einer Kinderseele, die sich gerade mit dem „comercio justo“ beschäftigen darf. Wunderbare Schulaufgabe und „googlenswert“ für jeden noch restmutigen Erwachsenen.
Mut deshalb, weil wir es doch gar nicht wissen wollen, dass unser herrlicher Kaffee von kaum bezahlten, arm lebenden Arbeitern angebaut und geerntet wird. Unsere Äpfel sollen schön sein und billig. Überhaupt ist das Angebot in den großen Supermärkten doch ach so groß, erschwinglich und hell, dass wir nicht an düstere Produktionsstätten denken wollen. Und unser Gewissen bleibt schnell rein und fein, weil wir mit wenig Geld doch viel Kaufen müssen.
Dabei könnten wir mit ein bisschen Mut viel bewegen. Denn millionenfach viel „Bisschen“ summiert gibt ein stolzes Ganzes. Und wenn es nur die Tüte Kaffee ist, bei der wir darauf achten, wie sie produziert wird.
Übrigens – auch ich habe nur ein „bisschen“ Mut, denn natürlich kaufe ich in Supermärkten ein und habe 15 Paar unvernünftige, dafür glitzernde Sandalen im Schrank.

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